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Rückblick. Weiterbildung SocialMedia fürs Ehrenamt.

Am 09. Februar 2022 fand im Rahmen der Weiterbildungsreihe des Modellprojekts Herzberg digital.verein.t die Fortbildung zum Thema “SocialMedia fürs Ehrenamt” mit Jan Witza von der Evangelischen Jugend in Sachsen statt. Der Rückblick bezieht sich auf diese informative und kurzweilige Veranstaltung und flicht einige Erkenntnisse der Weiterbildung “Social Media für NGOs: Praxisbeispiel von Animals United” von D3 – so geht digital vom 10. Februar 2022 mit ein.

“Soziale Netzwerke”

Der Name trügt: Soziale Netzwerke und -Medien sind nicht per se “sozial” im Sinne eines geschützten Ortes für Interaktionen, in dem alle immer freundlich sind. Aber sie ermöglichen Kommunikation und das Knüpfen und Pflegen von Kontakten sowie dem Streuen der eigenen Inhalte. Generell muss man sich klar sein:

“Wer den Kopf rausstreckt, merkt den Wind.”

Wenn Sie sich zu einem kontroversen Thema engagieren oder äußern, kann auch ein kritisches Feedback möglich sein. Da man aber im Ehrenamt arbeitet und viele Dinge auch unkritisch sind, gilt trotzdem die alte Weisheit

“Tue Gutes und Rede darüber”

Somit berichten Sie viel und gern über Ihre ehrenamtliche Arbeit, antworten Sie auf Feedback, liken Sie Posts von Freund*innen, teilen Sie Inhalte, die etwas mit Ihrem Ehrenamt zu tun haben, und engagieren Sie sich in Gruppen innerhalb der sozialen Medien. Themen die jedoch vermieden werden sollten, wenn man keine negative Assoziationen mit dem eignen Engagement wecken möchte sind Sex, Religion, Politik und alles Schlimme – außer es passt zu Ihrem Engagementbereich (z. B. Spendensammeln für Geflüchtete). Alles andere gehört in private Accounts, denn der Leitspruch “Jede Aufmerksamkeit ist gute Aufmerksamkeit” stimmt heutzutage nicht mehr.

SocialMedia lebt von Geschichten

Kommunikation ist stets eine besondere Aufgaben, der man sich aktiv zuwenden und die man planen sollte. Denn was andere von dem verstehen, was wir sagen und meinen ist von vielen Faktoren abhängig. Im Bereich SocialMedia bereitet man ein kommunikatives Angebot vor, das freiwillig genutzt werden kann – oder eben auch nicht. Deswegen macht es Sinn diese Kommunikation attraktiv für den Empfänger zu gestalten und die Logik der sozialen Medien zu nutzen. SocialMedia hat den Zweck der Vernetzung und der Kommunikation. Die dahinterstehenden Unternehmen finanzieren sich über personenbezogenene Werbung, die umso genauer zugeschnitten wird, je mehr das Medium über einen weiß. Somit versuchen die Unternehmen möglichst viel über den Einzelnen zu erfahren, um ein passendes Werbeangebot zu erstellen, damit wiederum mehr Zeit in den Sozialen Medien verbracht wird. Das Angebot des Vereins oder der Gruppe sollte somit sehr genau auf die Zielgruppe angepasst und entsprechend ausgefeilt sein. Definieren Sie also als erstes ihre Zielgruppe! Und dann erzählen Sie Ihre Geschichte: Sprechen Sie das Herz Ihrer Follower*innen (also Menschen, die sich für Ihr Angebot interessieren) an mit der Mission, die Sie haben und den dahinterliegenden Motiven. Folgen Sie der Logik des goldenen Kreises: Erzählen Sie zuerst: Warum machen Sie das? Dann: Wie machen Sie das? Und am Ende: Was machen Sie?

Beispiel_ Schulförderverein

Wenn Sie neue Engagierte, Interessierte oder Sponsor*innen für Ihren Schulförderverein begeistern wollen, erzählen Sie nicht zuerst, dass Sie sich in einem Förderverein engagieren, sondern gehen Sie wie folgt vor und erzeugen Sie Bilder im Kopf Ihres gegenübers:

  1. Erzählen Sie als erstes Warum sie sich engagieren / erzählen Sie von Ihrer Leidenschaft: “Meine Kinder sind in die Schule gekommen und waren sehr aufgeregt. Sie mochten die Schule sehr gern, aber leider war der Außenbereich der Schule nicht so schön: Es gab keine Grünfläche und keinen Schulgarten. Die Kinder wollten ein schönes Gelände, das wollte ich mit ihnen umsetzen.”
  2. Erläutern Sie, wie Sie arbeiten: “Dann habe ich mich mit anderen Eltern und einer engagierten Lehrerin zusammengetan und wir treffen uns nun einmal im Monat zum Austausch: Wir sitzen gemütlich im Schulgarten, die Kinder können spielen und wir besprechen uns beim Kaffee.”
  3. Jetzt können Sie mit den klassischen Inhalten fortfahren und erläutern, was Sie genau machen / was Sie brauchen: “Wir haben dann einen Förderverein gegründet und mit Hilfe der örtlichen Gartenbaufirma den Schulgarten während eines Frühlingsfestes angelegt. Einmal im Jahr richten wir dort nun das Sommerfest aus. Wenn Du Lust hast, kannst Du uns gern mit einem Kuchen unterstützen.”

Was gut werden soll, braucht Mühe

Social Media ersetzt keine Homepage, denn nur dort haben Sie die Hoheit über Ihre Daten und Inhalte. Außerdem drehen sich soziale Medien um Menschen und nicht um Institutionen / Unternehmen. Nehmen Sie sich ca. 20 Minuten am Tag für die sozialen Medien: Schauen Sie sich am Anfang einfach alles an und probieren Sie verschiedene Medien aus. Überlegen Sie was Ihnen gefällt und was nicht, was zu Ihrer Zielgruppe und Ihren Inhalten passt. Die Nutzung von sozialen Medien sollte keinem Druck folgen, sondern Spaß machen und Neugier wecken. Suchen Sie dementsprechend das richtige Medium für Sie und Ihr Ehrenamt aus. Datensparsam kann man mit sozialen Medien übrigens umgehen, wenn man sich ein “Ehrenamtssmartphone” besorgt, auf dem man wenige Nummern, Bilder und andere Daten speichert und auf dem man die sozialen Medien als App nutzt. Viele Anwendungen zur Bild- und Videobearbeitung, wie Canva oder CutStory, sind gut auf dem Smartphone nutzbar..

Inhalte erstellen

Generell gilt bei der Aufmerksamkeit: Video schlägt Bild, Bild schlägt Text. Bei Texten und Bildern gern immer das 4-Augen-Prinzip anwenden (mindestens von einer anderen Person Korrektur lesen lassen). Verlinken Sie gern auf Ihre eigenen Inhalte und Homepage. Erstellen Sie Inhalte für soziale Medien nach folgendem AIDA-Schema:

A – Attention

Aufmerksam herstellen bzw. überlegen, welcher Aspekt meines Themas Aufmerksamkeit erzeugen kann.

I – Interest

Interesse der Menschen für ein Thema wecken.

D – Desire

Sehnsucht bei den Menschen wecken “Werdet Teil von einer Gruppe / Bewegung!” “Wenn Ihr bei uns mitmacht, dann werdet Ihr Held*innen sein”.

A – Action

zu einer Handlung anregen “Klickt hier”, “Meldet euch an”, “Teilt”, “Unterschreibt”, “Seid dabei”,…

Folgende Bausteine sollten in einem SocialMedia-Post enthalten sein (je nach Plattform in unterschiedlichem Anteil): Ansprache, Bild oder Video, Text, Link (zu Ihrer Homepage), Aufruf zum aktiv werden (“Action”), gern Emojis (wenige) & Hashtags (bis zu 8).

Fangen Sie einfach mit Neugier an und beobachten Sie, was passiert. Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen, dementsprechend probieren Sie sich aus. Planen Sie Ihren ersten Post gut, posten Sie ihn, beobachten Sie die Reaktionen, reagieren Sie z. B. auf “Likes” mit einem “Like” (= Daumen hoch / Gefällt mir), und passen Sie Ihren nächsten Post ggf. an.

Entwickeln Sie im nächsten Schritt Ihre eigene Geschichte und planen Sie Ihre SocialMedia-Aktivitäten danach. Probieren Sie es aus.

Wenn Sie sich auf dem Parket der sozialen Medien wohlfühlen, professionalisieren Sie Ihre Arbeit: Suchen Sie nach Programmen, um ein einheitliches Erscheinungsbild zu erzeugen: legen Sie Vorlagen für Bild, Text, Hashtags und Emojis fest, teilen Sie Inhalte auf und binden Sie mehr Menschen in das Geschehen ein. Z. B. könnte zu einer Veranstaltung eine Person Bilder machen und fertig bearbeiten und die andere teilt diese mit Text, #, Emojis und einem “Call to Action” (= Aufruf zum Aktiv werden) in dem entsprechenden Medium. So können auch Kampagnen geplant werden.

Übersicht über verschiedene soziale Medien

  • Facebook: Inhalte (längerer Text) und Bilder (oft kein festes Design). Zielgruppe: Eher Erwachsene (40+), junge Menschen sind kaum noch aktiv. Zum Austausch für spezielle Interesse (Orte, Hobbies, Themen) und als Werbeplattform. Kein Ersatz für eine Homepage! Teilweise sehr heftiger Ton in den Kommentarspalten, aber je mehr Interaktion, desto häufiger angezeigt und desto mehr Leute erfahren von deinem Ehrenamt. Sehr umfangreich (Veranstaltungen, Storys, Seiten, Themen, Gruppen, Spiele….). Aufbau Post: Titel (Interesse wecken!), Text (mehrere Absätze möglich, auch Meinung möglich, gern auch mit Quellenangaben), 1 bis 2 Hashtags, 1 bis 2 Emojis, Call to Action / Link.
  • Instagram: Bilder und # (Hashtags). Eher Jugendliche und junge Erwachsene. Für Themen und Personen. Wenig Hass, aber viel Interaktion notwendig. Wie eine Visitenkarte im Netz / Schaufenster. Beiträge und Storys (sichtbar für 24 Stunden), interaktiv (Fragen stellen). Muss ebenfalls häufig & regelmäßig bespielt werden, sonst wird man vom Logarithmus nicht mehr angezeigt. Keine trockenen Inhalte. Bis zu 8 Hashtags nutzen – 1 bis 4 sehr allgemeine, 1 bis 4 sehr spezielle.
  • Twitter: Themen, #, @Erwähnungen und Personen. Zielgruppe: Politiker*innen, Journalist*innen und “Psychopat*innen”. Kurze, meinungs- oder inhaltsstarke Textbeiträge. Sehr schnelllebig, aber direkter Kontakt z. B. zu Entscheidungsträger*innen möglich.
  • Youtube: Videos und Themen. Alle Altersgruppen. Interessante Kommentarspalte, dort findet sich die Community. Technisches Knowhow notwendig, aber große Reichweite.
  • TikTok: Kurze Videos und Themen. Junge Menschen. Teilweise sehr politisch. Sehr schnelllebig und kurzweilig. Oft trendbasiert, sehr kluge Algorithmen.
  • LinkedIn: Entspricht einer Bewerbungsmappe im Internet, gut zur Nutzung von jobbasierten Inhalten.
  • Xing: Arbeitsvermittlungslogik, soll in Zukunft stärker um den Bereich “soziales Engagement” ausgebaut werden.
  • Reddit: Themen- und diskussionsbasiert. Große Altersspanne. Eher im englischsprachigen Raum.
  • WhatsApp, Signal, Telegram und Co.: Neben Gruppen, in denen alle Teilnehmende gleichermaßen Inhalte teilen und diskutieren können, gibt es die Möglichkeit sogenannte Kanäle zu erstellen, in denen man seine Inhalte mit allen Mitgliedern teilen kann, in denen aber nicht diskutiert werden kann. Somit kann man die eigene Inhalte verbreiten, ohne dass unkontrollierte Diskussionen stattfinden oder sich die anderen Teilnehmenden untereinander sehen können.